Künstliche Neuronale Netzwerke haben sich in den letzten Jahren zu den wichtigsten Verfahren im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz entwickelt. Dabei gehören zu den ältesten und grundlegendsten Algorithmen im Bereich des maschinellen Lernens und der Mustererkennung. Die ersten Grundlagen wurden bereits in den 1940er Jahren entwickelt, als ein Neurophysiologe zusammen mit einem Mathematiker ein Modell für das menschliche Denken vorschlug [McCulloch & Pitts, 1943], das später u.a. von Rosenblatt zum Perzeptron weiterentwickelt wurde [Rosenblatt, 1958].
Sie sind inspiriert von den biologischen neuronalen Netzwerken des menschlichen Gehirns und versuchen dieses mathematisch nachzuempfinden und somit auch ähnliche Lernerfolge zu erzielen. Sie bestehen aus vielen miteinander verbundenen “Neuronen”, die in Schichten organisiert sind und zur Verarbeitung und Analyse komplexer Datenmuster verwendet werden.
Sie werden heutzutage in vielen Anwendungsfällen genutzt insbesondere bei der Verarbeitung unstrukturierter Daten wie Bilder, Texte oder Sprache. Im Bauwesen werden sie eingesetzt zur automatisierten Rissanalyse in Betonbauwerken mittels Bildverarbeitung, zur Suche nach anomalen Vibrationen oder Dehnungsgeräuschen durch Schallemissionsverfahren oder zur Prognose von Feuchte-/Temperaturverläufen in Bauteilen über neuronale Zeitreihenmodelle.
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Grundlagen
Neuronen
Neuronen sind die grundlegenden Bausteine eines neuronalen Netzwerks. Ein Neuron empfängt Eingaben, verarbeitet sie und gibt eine Ausgabe weiter. Die Verarbeitung erfolgt durch eine Aktivierungsfunktion \(f(\cdot)\), die den linearen Eingang in eine nichtlineare Ausgabe umwandelt. Das einfachste Neuron ist ein Perceptron [Rosenblatt, 1958]. Seine Grundstruktur besteht aus mehreren Komponenten, die in ähnlicher Form auch in modernen Neuronen vorkommen:
Eingaben (Inputs, \(x_1, x_2, ..., x_n\)): Signale oder Datenpunkte, die in das Neuron eingespeist werden.
Gewichte (Weights, \(w_1, w_2, ..., w_n\)): Faktoren, die die Bedeutung jedes Eingangs steuern.
Bias (Bias, \(b\)): Ein zusätzlicher Parameter, der den Schwellenwert für die Aktivierung anpasst.
Aktivierungsfunktion (Activation Function, \(f(\cdot)\)): Eine Funktion, die den Summenwert der gewichteten Eingaben und des Bias in eine Ausgabe umwandelt.
Die Ausgabe eines Neurons wird durch die folgende Formel berechnet: \[ y = f\left(b + \sum_{i=1}^n w_i x_i\right) \]
Damit gleicht das Neuron in dieser Formel einem Generalisierten Linearem Modell (GLM). Dies trifft aber nur für das einfachste neuronale Netzwerk, das Perceptron, zu. Modernere KNN bestehen aus komplexeren Modellen, die komplexe nichtlineare Zusammenhänge modellieren können. Die Aktivierungsfunktion spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sie die Nichtlinearität in das Modell einführt und es dem Netzwerk ermöglicht, komplexe Muster in den Daten zu lernen.
Bei GLM zielt die Transformationsfunktion \(f(\cdot)\) darauf ab, die Verteilung der Ausgangsvariable zu verändern. Die meisten Aktivierungsfunktionen bei KNN zielen darauf ab, das Ausgangssignal entweder klarer zu differenzieren (aktiv/inaktiv) oder nichtlinear zu transformieren, um komplexe Zusammenhänge zu lernen. Einige gängige Aktivierungsfunktionen sind:
Sigmoid: Diese Funktion kennen wir von der logistischen Regression und GLM. Sie transformiert den Eingang in einen Wert zwischen 0 und 1, was sie besonders geeignet für die Ausgabe von Wahrscheinlichkeiten macht.
\[f(x) = (1 + e^{-x})^{-1}.\]
Tanh (Hyperbolic Tangent): Diese Funktion transformiert den Eingang in einen Wert zwischen -1 und 1 und wurde historisch in früheren neuronalen Netzen verwendet. Sie kann in Aufgaben nützlich sein, bei denen sowohl positive als auch negative Werte relevant sind.
\[f(x) = \tanh(x).\]
ReLU (Rectified Linear Unit): Sie ist eine einfache und häufig verwendete Funktion, die den Eingang direkt zurückgibt, wenn er positiv ist, und ansonsten Null. ReLU ist bekannt dafür, neuronale Netze schneller und effizienter zu trainieren.
\[f(x) = \max(0, x).\]
Softmax: Die Softmax-Funktion normalisiert die Ausgabe eines Neurons auf eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, wobei die Summe aller Ausgänge 1 ergibt. Sie wird häufig in mehrstufigen Klassifizierungsaufgaben eingesetzt, wo sie die Wahrscheinlichkeiten aller Klassen gleichzeitig ausgibt.
Die Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erlernen, ergibt sich vor allem daraus, dass Neuronale Netzwerke aus mehreren Schichten von Neuronen bestehen, die in einer bestimmten Architektur angeordnet sind.
Eingabeschicht (Input Layer) nimmt die Rohdaten entgegen und transformiert sie für die nachfolgenden Schichten .
Verborgene Schichten (Hidden Layers) enthalten Neuronen, die die eingehenden Daten verarbeiten und transformieren. Bei modernen Tiefen Neuronalen Netzwerken (DNN - Deep Neural Networks) ist die Anzahl der Schichten hoch (3-100 Schichten).
Ausgabeschicht (Output Layer) transformieren die Ausgaben des Netzwerk in die Ergebnisse. Die Anzahl der Neuronen in der Ausgabeschicht hängt von der Art des zu lösenden Problems ab.
Trainingsprozess
Der Grund, weshalb Neuronale Netzwerke fast 60 Jahre lang nicht genutzt wurden, lag in Skalierbarkeit des Trainings. Das oben abgebildete Beispiel zeigt bereits, die hohe Anzahl an 25 Parametern (Gewichte und Bias) für ein kleines Netzwerk mit vier Schichten. Leistungsfähige Netze haben bis zu Milliarden an Parametern.
Aufgrund der Komplexität können die Parameter nicht direkt berechnet werden und werden deshalb normalerweise iterativ angenähert. Dieser Prozess umfasst typischerweise folgende Schritte:
Zufällige Initialisierung aller Parameter \(w\) und \(b\) mit Zufallszahlen.
Vorwärtsausbreitung (Forward Propagation): Die Eingabedaten werden durch das Netzwerk geleitet und die Ausgabe geschätzt. Jedes Neuron berechnet seine Aktivierungsfunktion basierend auf den gewichteten Eingaben und dem Bias mit Hilfe der oben angegeben Formel.
Berechnung des Fehlers (Loss Calculation): Der Fehler oder Verlust wird durch eine Verlustfunktion berechnet, die die Differenz zwischen der vorhergesagten Ausgabe und der tatsächlichen Ausgabe misst. Die passende Verlustfunktionen richtet sich dabei nach dem Datentyp der Ausgangsvariable. Typische Verlustfunktionen kennen wir bereits:
Rückwärtsausbreitung (Backpropagation): Der Fehler wird durch das Netzwerk rückwärts propagiert, um die Gradienten der Verlustfunktion bezüglich der Gewichte und Biases zu berechnen. Dabei wird im Wesentlichen der Fehler rückwärts im Netzwerk verteilt, so dass Neuronen, die einen großen Anteil an der Vorhersage haben (also einen hohen Eingangswert und eine steile Aktivierungsfunktion an dieser Stelle), ein größerer Anteil am Fehler zugeteilt wird. Der Gradient \(\nabla {E(w_{ij})}\) des Gewichtes \(w_{ij}\) kann mit der Kettenregel berechnet werden:
Die entsprechende partielle Ableitung richtet sich prinzipiell nach der Aktivierungsfunktion und wird in modernen Bibliotheken meist analytisch mit der Kettenregel sowie automatischer Differentiation berechnet.
Gewichtsaktualisierung (Weight Update): Die Gewichte und Biases werden mithilfe eines Optimierungsalgorithmus wie Gradient Descent oder Adam angepasst, um den Fehler zu minimieren. Beim Gradient Descent geschieht dies durch Anwendung der berechneten Gradienten auf die Gewichte und Biases mit Hilfe der Lernrate \(\alpha\):
Abbruchkriterium: Wiederholung der Schritte 2.-5. bis ein Konvergenzkriteriums erfüllt wurde oder eine maximale Anzahl an Iterationen erreicht wird.
Epochen
Der Trainingsprozess wird in der Regel über mehrere Epochen wiederholt, wobei jede Epoche eine Durchführung des gesamten Trainingsdatensatzes darstellt. Dies ermöglicht es dem Netzwerk, die Gewichte iterativ zu verbessern und seine Leistung auf neuen Daten zu generalisieren. Ein entscheidender Grund für den heutigen Erfolg von Neuronalen Netzwerken ist, dass diese Berechnung der Gewichte hoch parallelisierbar ist und somit sehr gut auf modernen Graphikkarten parallelisiert werden können.
Overfitting
Ein häufiges Problem beim Training neuronaler Netzwerke ist Overfitting, bei dem das Netzwerk die Trainingsdaten zu gut lernt und auf neuen Daten schlecht generalisiert. Um Overfitting zu vermeiden und die Leistung des Netzwerks zu verbessern, werden verschiedene Techniken der Regularisierung eingesetzt:
Regularisierung (z.B. L1, L2): Hinzufügen eines Regularisierungsterms zur Verlustfunktion, um die Komplexität des Modells zu kontrollieren.
Dropout: Zufälliges Ausschalten von Neuronen während des Trainings, um die Abhängigkeit von bestimmten Neuronen zu reduzieren.
Datenaugmentation: Erweiterung des Trainingsdatensatzes durch zufällige Transformationen der Daten.
Architekturen
Vorwärtsgerichtete Netze
Die einfachsten Formen neuronaler Netzwerke sind Vorwärtsgerichtete Neuronale Netze (FNN - Feedforward Neural Networks). Bei ihnen fließen die Daten in eine Richtung von der Eingabeschicht zur Ausgabeschicht, ohne rückwärts gerichtete Datenflüsse. Sie entsprechen den oben dargestellten Netzwerken. Sie sind besonders geeignet bei einfachen Problemen, wo keine Autokorrelation oder komplexe Muster vorherrschen.
Rekurrente Netze
Rekurrente oder rückgekoppelte Neuronale Netze (RNN - Recurrent Neural Networks) sind neuronalen Netzen, die sich von Feedforward-Netzen dadurch unterscheiden, dass sie Verbindungen zwischen Neuronen einer Schicht zu Neuronen derselben oder vorheriger Schichten ermöglichen. Diese Art der Verschaltung ähnelt der bevorzugten Struktur neuronaler Netze im Gehirn, insbesondere im Neocortex. RNNs sind ideal für sequenzielle Daten wie Zeitreihen oder Text, da sie über Schleifen verfügen, die Informationen über Zeitpunkte (oder Wortfolgen/Sätze) hinweg speichern. Dadurch lässt sich z.B. gut die Autoregression in Zeitreihen oder komplette Sätze erlernen.
Hierbei ist \(h_t\) der versteckte Zustand (hidden state) zum aktuellen Zeitpunkt \(t\) und \(h_{t-1}\) der versteckte Zustand des vorherigen Zeitpunkts, der über das Gewicht \(v\) zurückgeführt wird.
Faltungsnetze
Faltungsnetze (CNN - Convolutional Neural Networks) sind besonders effektiv bei der Verarbeitung von höherdimensionalen Daten wie Bilddaten oder geospatialer Daten. Sie verwenden Faltungsoperationen, um Merkmale (Kanten, Reliefs, Muster, etc.) aus Eingabebildern zu extrahieren oder zu erlernen und gleichzeitig einen höherendimensionalen Eingang auf einen niedrigdimensionaleren Ausgang zu reduzieren, der diese Merkmale encodiert. Dadurch repräsentiert der Ausgang nur die Relevanz des extrahierten oder gelernten Merkmals und es muss nicht das Gesamtbild gelernt werden. Durch das Schichten mehrerer versteckter Faltungsschichten hintereinander werden so zuerst Merkmale extrahiert und dann Muster daraus im Bild gelernt (z.B. die Form eines Hundes). Auf die Faltung und die Bildverarbeitung werden wir im Nachfolgekurs “Künstliche Intelligenz und Foundation Modelle” noch vertieft eingehen.
Neuronale Netzwerke in Python
Neuronale Netzwerke in sklearn
Wir demonstrieren neuronale Netzwerke anhand einer erweiterten Version des Yin-Yang-Beispiels aus der Klassifikation indem wir die Anzahl der Farben auf 4 Kategorien und die Verwirbelung erhöhen. Wieder besteht die Aufgabe darin, die richtige Farbe basierend auf dem Punkt vorherzusagen, also eine Klassifikationsaufgabe. Wir erstellen die Daten wie folgt:
import numpy as np # Import von NumPyimport pandas as pd # Import von Pandasimport plotly.express as px # Import von Plotlyfrom sklearn.metrics import confusion_matrixfrom sklearn.model_selection import train_test_splitnp.random.seed(33)N =1000# Anzahl der PunkteX1 = np.random.normal(size=N)X2 = np.random.normal(size=N)X = np.column_stack((X1, X2))alpha = np.arctan2(X2, X1)r = np.sqrt(X1**2+ X2**2)## Teile the sum of a sin and cosine into 5 intervalscategory = pd.cut(np.sin(3*alpha +2*r) + np.cos(3*alpha +2*r), bins=[-1.5, -1.1, -0.6, 0.6, 1.1, 1.5], labels=[0, 1, 2, 3, 4])y = category.astype(int)# Teile in Test und Trainings-DatensatzX_train, X_test, y_train, y_test = train_test_split(X, y)
# Darstellung des Datensatzesfig=px.scatter(x=X2, y=X1, color=y, width=600, height=600)fig.update_traces(marker_line=dict(width=.3, color="black"))fig.show()
Das Bild zeigt ein komplexes Muster von Spiralarmen in fünf verschiedenen Farben. Dreiarmige gelbe und blauen Arme entsprechen den größten und kleinsten Werten, während sechsarmige Arme in verschiedenen Rot- und Violetttönen den dazwischen liegenden Werten entsprechen. Diese Entscheidungsgrenzen sind sehr schwer mit einfachen Modellen wie logistischer Regression, SVM oder sogar Bäumen zu erfassen, da die Spiralarme stark nicht-konvexe und ineinander verschlungene Klassenregionen bilden: Bäume können solche Regionen nur grob durch viele achsenparallele Splits annähern, und ein SVM mit einem einzelnen festen Kernel findet keine Transformation, die alle Spiralarme gleichzeitig sauber trennt. Prüfen wir das noch einmal mit einer kleinen Visualisierungsfunktion, die wir auch in der Klassifikation genutzt haben.
Random Forest
Testen wir einen Random Forest, so erhalten wir zwar ein gutes Modell, dass allerdings overfittet und schlecht generalisiert.
from sklearn.ensemble import RandomForestClassifierm = RandomForestClassifier()_ = m.fit(X_train, y_train)m.score(X_test, y_test)
Allerdings können neuronale Netzwerke (und KNN) deutlich besser damit umgehen.
sklearn implementiert einfache Feed-Forward-Neuronale Netzwerke, so genannte Multi-Layer Perceptrons. Dies sind einfache dichte Feed-Forward-Netzwerke mit einer beliebigen Anzahl von versteckten Schichten. Auch wenn sie strukturell einfache neuronaler Netzwerke sind, sind sie dennoch leistungsfähig genug für viele Aufgaben.
Wie bei anderen fortgeschrittenen Modellen bietet sklearn zwei unterschiedlichen Klassen für Klassifikationsaufgaben MLPClassifier und für Regressionsaufgaben MLPRegressor. Die grundlegende Verwendung dieser Modelle ist identisch zu den anderen sklearn-Modellen.
Die wichtigsten Argumente für den MLPClassifier sind:
Von diesen ist hidden_layer_sizes der zentralste. Dies beschreibt die Anzahl der versteckten Schichten (die Größe der Eingabe- und Ausgabeschicht wird automatisch aus den Daten bestimmt). Es handelt sich um ein Tupel, das die Anzahl der Knoten für jede versteckte Schicht angibt, daher gibt die Länge des Tupels auch die Anzahl der versteckten Schichten an. Zum Beispiel bedeutet hidden_layer_sizes = (32, 16) zwei versteckte Schichten, die erste mit 32 und die folgende mit 16 Knoten. activation beschreibt die Aktivierungsfunktion. Es empfiehlt sich meist es bei der Standardfunktion relu zu lassen, außer es gibt die oben beschriebenen Gründe für andere Aktivierungsfunktionen. alpha ist der L2-Regularisierungsparameter und max_iter gibt die maximale Anzahl von Iterationen an, bevor die Optimierung stoppt. In moderneren Bibliotheken wie Keras oder PyTorch wird die L2-Regularisierung meist nicht global, sondern explizit pro Schicht angegeben, z.B. mit kernel_regularizer=regularizers.L2(alpha) in Keras.
Einfaches Neuronales Netzwerk
Lassen Sie uns nun die Verwendung von MLPClassifier an den Yin-Yang Beispiel demonstrieren. Beginnen wir mit einem einfachen Perzeptron mit einer einzigen versteckten Schicht von 20 Knoten. Daher verwenden wir hidden_layer_sizes=(20,), ein Tupel mit nur einer Zahl. Das Anpassen des Modells und die Vorhersage sind größtenteils ähnlich wie bei den anderen sklearn-Funktionen, daher diskutieren wir dies hier nicht. Wir erhöhen auch die Anzahl der Iterationen, da die Standardanzahl von 200 in diesem Fall zu gering ist:
Dieses einfache Modell hat zuerst auch nur eine niedrige Genauigkeit. Das liegt daran, dass es zu einfach ist, nur eine einzelne kleine versteckte Schicht reicht nicht aus, um das komplexe Spiralmuster gut zu modellieren. Was sich gut in der Visualisierung erkennen lässt. Wir können dort sehen, dass das Modell die Idee korrekt einfängt: Spiralen in verschiedenen Farben, aber die Form der Spiralen ist nicht genau genug.
Tiefes Neuronales Netzwerk
Lassen Sie uns das Modell mit einem leistungsstärkeren Netzwerk wiederholen:
Jetzt sind die Ergebnisse sehr gut mit einer Genauigkeit von ca. 95 %. Die visuelle Inspektion bestätigt, dass das leistungsstärkere neuronale Netzwerk die Gesamtstruktur des Modells gut erfassen kann.
Die angepassten Netzwerkmodelle haben verschiedene Methoden und Attribute, z.B. gibt coefs_ die Modellgewichte aus (als Liste von Gewichtsmatrizen, eine für jede Schicht), und intercepts_ gibt die Modell-Biaswerte aus (als Liste von Bias-Vektoren, einer für jede Schicht). Zum Beispiel enthält das oben angepasste Modell den akkumilierten Bias-Vektor für die erste versteckte Schicht:
np.sum([b.size for b in m.intercepts_])
np.int64(453)
Während sklearn einen einfachen Zugang zu neuronalen Netzwerkmodellen bietet, sind diese Modelle erheblich eingeschränkt. sklearn ist damit gut für kleinere Aufgaben und zum schnellen Prototyping geeignet, aber für tiefere Netzwerke, größere Datenmengen und GPU-Beschleunigung braucht man spezialisierte Frameworks wie tensorflow oder pytorch.
Neuronale Netzwerke in Keras
Tensorflow and Keras
Tensorflow ist eine Bibliothek, die Berechnungsgraphen implementiert, die automatisch Gradienten berechnen können. Sie ermöglicht auch Berechnungen auf der GPU durchzuführen, was potenziell zu erheblichen Geschwindigkeitsverbesserungen gegenüber CPU-Berechnungen führen kann. In vielerlei Hinsicht ähnelt sie numpy, wo man Matrizen und Tensoren erstellen und manipulieren kann. Allerdings ist sie aufgrund des Berechnungsgraphen-Ansatzes und der GPU-bezogenen Überlegungen viel schwieriger zu verwenden.
Keras ist ein TensorFlow-Front-End, ein Submodul, das einen viel benutzerfreundlicheren Zugang zum Aufbau neuronaler Netzwerke bietet. Die Funktionalität umfasst eine Vielzahl von Netzwerkschichten, bei denen man die entsprechenden Parameter anpassen kann. Beim Aufbau des Netzwerks kann man einfach die Schichten hintereinander hinzufügen, die Verbindung zwischen den Schichten wird von Keras selbst übernommen. Eine gute Quelle für die Keras-Dokumentation ist die API-Referenzdokumentation.
Beispielnetzwerk in keras
Lassen Sie uns das Farbspiralbeispiel aus dem letzten Abschnitt von sklearn neu implementieren, diesmal jedoch mit keras. Es wird einige bemerkenswerte Unterschiede geben:
Der Aufbau des Netzwerks selbst ist in Keras anders. Keras berechnet nicht die Größe der Eingabe- und Ausgangsschichten aus den Daten. Beide müssen vom Benutzer angegeben werden. Schließlich sagt Keras nur Wahrscheinlichkeiten für alle Kategorien voraus, daher müssen wir Code hinzufügen, der die Spalte (Kategorie) mit der höchsten Wahrscheinlichkeit findet.
Das Modell erzeugen
Zuerst der wichtigste Schritt: Aufbau und Kompilierung des Modells. Dies unterscheidet sich sehr von der Vorgehensweise in sklearn. Lassen Sie uns ein sequentielles Modell mit dichten Schichten aufbauen, die gleiche Architektur, die wir mit sklearn erstellt haben:
from tensorflow.keras.models import Sequentialfrom tensorflow.keras.layers import Dense, Input# sequential (not recursive) model (one input, one output)model=Sequential()model.add(Input(shape=(2,)))model.add(Dense(512, activation="relu"))model.add(Dense(256, activation="relu"))model.add(Dense(64, activation="relu"))nCategories =len(np.unique(category))model.add(Dense(nCategories, activation="softmax"))
Das richtige Festlegen der Eingabeformen und Ausgabeknoten ist eine der Hauptursachen für Frustration, wenn man anfängt, mit keras zu arbeiten. Die Fehlermeldungen sind lang und nicht besonders hilfreich, und es ist schwer zu verstehen, was das Problem ist. Hier ist eine Checkliste, die durchgearbeitet werden kann, wenn etwas nicht funktioniert:
Ist die Eingabeform explizit definiert, z.B. mit Input(shape=...) am Anfang des Modells?
Stellt diese Form korrekt eine einzelne Instanz der Eingabedaten dar?
Haben Sie die richtige Anzahl von Knoten in der Softmax-aktivierten Ausgangsschicht?
Training des Modells
Die nächste Aufgabe besteht darin, das Modell zu kompilieren und anzupassen. Keras-Modelle müssen kompiliert werden - was wir bisher eingerichtet haben, ist nur eine Beschreibung des Modells, nicht das tatsächliche Modell, das für TensorFlow-Tensoren eingerichtet ist und möglicherweise für die GPU-Ausführung. Wir können das Modell wie folgt kompilieren:
loss beschreibt die Modellverlustfunktion, sparse_categorical_crossentropy, im Wesentlichen die Log-Likelihood, ist geeignet für Kategorisierungsaufgaben. Der genaue Typ hängt auch davon ab, wie das Ergebnis genau codiert ist.
optimizer ist der Optimierer, der für den stochastischen Gradientenabstieg verwendet werden soll. adam und rmsprop sind gute Optionen, aber es gibt auch andere Möglichkeiten.
metrics ist eine Metrik, die während der Optimierung ausgewertet und gedruckt wird und einige Rückmeldungen darüber bietet, wie die Auswertung verläuft.
Die letzte Zeile hier druckt die Modellzusammenfassung aus, eine praktische Übersicht darüber, was wir gemacht haben:
In diesem Beispiel ist X die Designmatrix, y der Ergebnisvektor, und das Argument epochs gibt an, wie viele Epochen der Optimierer durchlaufen soll. Keras gibt den Fortschritt beim Optimieren an, es könnte so aussehen
Hierbei kann man die aktuelle Epoche, den Batch (für stochastischen Gradientenabstieg) und die aktuelle Genauigkeit der Trainingsdaten sehen. In diesem Beispiel werden alle Epochen bis zum Abschluss ausgeführt, daher sehen wir 32/32 für Batches, aber normalerweise kann man die Batch-Nummer sehen, die sich während des Trainings fortschreitet. Dieses Beispiel funktioniert sehr schnell, Keras meldet 2 ms pro Schritt (Batch) und die Gesamtzeit für die Epoche ist zu gering, um gemeldet zu werden. Aber eine einzelne Epoche kann bei komplexeren Modellen und mehr Daten viele Minuten dauern.
Achtung: Batchqualität vs. Modellqualität
Die während des Trainings angezeigte Modellqualität (hier Genauigkeit) ist eine laufende Trainingsmetrik und kann zwischen Batches und Epochen schwanken. Sie gibt nur eine grobe Richtlinie für die tatsächliche Modellgüte und sollte durch eine getrennte Auswertung auf Validierungs- oder Testdaten ergänzt werden.
Achtung: Modelle fertig trainieren
Keras ermöglicht es Ihnen, Vorhersagen mit einem Modell zu treffen, das nicht angepasst ist (im Gegensatz zu scikit-learn, wo das einen Fehler verursacht). Die Ergebnisse werden bestenfalls mittelmäßig aussehen.
Vorhersagen und Plotten
Wenn die Anpassung abgeschlossen ist, können wir das Modell für Vorhersagen verwenden. Die Vorhersage funktioniert ähnlich wie in sklearn, nur dass die predict-Methode die Wahrscheinlichkeit vorhersagt, nicht die Kategorie (analog zu sklearn’s predict_proba).
In diesem Beispiel handelt es sich um eine Matrix mit 5 Spalten, wobei jede Spalte die Wahrscheinlichkeit darstellt, dass der Datenpunkt zur entsprechenden Kategorie gehört. Beispielsweise könnten Zeilen von phat so aussehen:
Wir sehen, dass für jedes Test-Fall eine Wahrscheinlichkeit für jede Kategorie angegeben ist. Als nächstes wollen wir mit np.argmax(phat, axis=-1) die Spalte (Kategorie) finden, mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Es findet einfach die Position der größten Elemente im Array entlang der letzten Achse (axis=-1), d.h. Spalten. Für jede Zeile finden wir also die entsprechende Spaltennummer. Beachten Sie, dass np.argmax die Spalten ab 0 zählt, nicht ab 1:
yhat = np.argmax(phat, axis=-1)yhat[:5]
array([2, 0, 0, 0, 0])
Endlich können wir die Verwirrungsmatrix mit pd.crosstab berechnen und die Genauigkeit berechnen:
from sklearn.metrics import confusion_matrixprint("confusion matrix:\n", confusion_matrix(y_test, yhat))print("Accuracy (on test data):", np.mean(y_test == yhat))
In diesem Beispiel machen wir Vorhersagen auf Testdaten, aber wir können natürlich auch einen anderen Datensatz für Vorhersagen auswählen. Da der vorhergesagte Wert eine Wahrscheinlichkeitsmatrix mit 5 Spalten sein wird, berechnen wir yhat als die Spaltennummer, die die größte Wahrscheinlichkeit für jede Zeile enthält.
Wie man sehen kann, ist die Verwirrungsmatrix fast ausschließlich auf der Hauptdiagonalen besetzt, und die Genauigkeit ist hoch.
Keras-Vorhersagen
Schließlich müssen wir, wenn wir ein ähnliches Diagramm wie oben erstellen möchten, die DBPlot-Funktion anpassen, um zu berücksichtigen, dass Keras-Modelle nur Wahrscheinlichkeiten vorhersagen.
def DBPlot(m, X, y, nGrid =300): x1_min, x1_max = X[:, 0].min() -1, X[:, 0].max() +1 x2_min, x2_max = X[:, 1].min() -1, X[:, 1].max() +1 xx1, xx2 = np.meshgrid(np.linspace(x1_min, x1_max, nGrid), np.linspace(x2_min, x2_max, nGrid)) XX = np.column_stack((xx1.ravel(), xx2.ravel()))## predict probability phat = m.predict(XX, verbose=0)## find the column that corresponds to the maximum probability hatyy = np.argmax(phat, axis=-1).reshape(xx1.shape) fig = px.imshow(hatyy, width=600, height=600) fig.add_scatter(x=X[:,0]/(x1_max-x1_min)*nGrid+nGrid/2, y=X[:,1]/(x2_max-x2_min)*nGrid+nGrid/2, mode="markers", marker=dict(color=[mcolors[i] for i in y]), marker_line=dict(width=.3, color="black")) fig.update_coloraxes(showscale=False) fig.update_layout(showlegend=False) fig.show()
DBPlot(model, X_test, y_test)
Noch einmal, die Funktion ist fast identisch mit der sklearn Version, außer der Zeile, die np.argmax(phat, axis=-1) enthält, die die vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten in Kategorien umwandelt.
Referenzen
McCulloch, W. S., & Pitts, W. (1943). A logical calculus of the ideas immanent in nervous activity. The bulletin of mathematical biophysics, 5(4), 115–133.
Rosenblatt, F. (1958). The perceptron: a probabilistic model for information storage and organization in the brain. Psychological review, 65(6), 386.