Alternative Modelle

Autor:in

Joern Ploennigs · AI4SC

It is often necessary when some cherished scheme has failed, to take up the best alternative open, and if so, it is folly not to work for it with all your might.

— Winston Churchill

Neben den bekannten maschinellen Lernmodellen wie logistischer Regression, linearer Regression, Entscheidungsbäumen, Ensemble-Modellen, Clustering, Principal Component Analysis (PCA), Matrixfaktorisierung, neuronalen Netzwerken und Reinforcement Learning gibt es eine Vielzahl weiterer Modelltypen, die in verschiedenen Anwendungsbereichen verwendet werden. Diese werden oft in Spezialfällen verwendet, z.B. wenn Daten zeitlich strukturiert oder unsicher sind.

Sie sind besonders dann interessant, wenn Unsicherheit, kausale Struktur oder spärliches Expertenwissen wichtiger sind als maximale reine Vorhersagegenauigkeit.

Hier sind einige zusätzliche Typen von maschinellen Lernmodellen:

Markov-Modelle

Markov-Modelle sind stochastische Modelle, die auf der Markov-Annahme basieren, die besagt, dass der Zustand eines Systems nur von seinem aktuellen Zustand abhängt, nicht aber von früheren Zuständen. Wir haben sie kurz im Kontext von Reinforcement Learning kennen gelernt, weil dort u.a. Markov Decision Processes (MDP) zur Modellierung des Zustandsraums der Umgebung genutzt werden. Dies macht sie nützlich für Anwendungen wie Spracherkennung, der Bildverarbeitung oder der Bioinformatik, wo aufeinanderfolgende Ereignisse (Zuständen) von Bedeutung sind.

Baysian Networks

Bayessche Netze modellieren Wahrscheinlichkeitsbeziehungen zwischen verschiedenen Variablen in Form von gerichteten azyklischen Graphen. Anders als Markov-Modelle (welche Folgen von Ereignissen modellieren) konzentrieren sie sich vor allem auf bedingte Wahrscheinlichkeiten und Abhängigkeiten zwischen Variablen. Sie ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge zu modellieren und Schlussfolgerungen auf Basis bedingter Wahrscheinlichkeiten zu ziehen. Dies macht sie wertvoll für Diagnose-Systeme oder Risikoanalysen, wo viele Faktoren zusammenspielen.

Naive Bayes

Naive Bayes sind einfache probabilistische Klassifikationsmodelle, die auf dem Bayesschen Theorem zur Schätzung bedingter Wahrscheinlichkeiten basieren. Im Unterschied zu Bayesschen Netzwerken besitzen sie keine explizite grafische Struktur, sondern berechnen die Wahrscheinlichkeit einer Klasse auf Basis einer Menge von Attributen unter der Annahme der bedingten Unabhängigkeit der Attribute. Sie eignen sich insbesondere für Probleme mit hoher Dimensionalität und relativ wenig Trainingsdaten und werden häufig in Textklassifikation, Spam-Filterung, Sentiment-Analyse und anderen Anwendungen mit klar definierten Merkmalen verwendet.

Assoziationsanalyse

Assoziationsanalyse (Association rule learning) konzentrieren sich auf die Identifikation von Zusammenhänge in Daten in Form von Regeln, insbesondere in Transaktionsdaten. Ein klassisches Beispiel ist die Warenkorbanalyse im Einzelhandel, bei der untersucht wird, welche Produkte oft zusammen gekauft werden. Diese Modelle verwenden Metriken wie Support und Konfidenz, um Assoziationsregeln (z.B. Regel: wer A kauft -> kauft auch B) zu identifizieren.

Random Fields

Random Fields, insbesondere Markov Random Fields, sind probabilistische Modelle, die Beziehungen zwischen benachbarten Variablen in einem Gitter oder Graphen darstellen. Sie werden häufig in der Bildverarbeitung und Computer Vision verwendet, beispielsweise zur Segmentierung von Bildern, indem benachbarte Pixel als abhängig modelliert werden.

Autoencoder

Autoencoder sind spezielle neuronale Netzwerke, die darauf abzielen, Daten effizient zu komprimieren (kodieren) und wiederherzustellen (dekodieren). Sie werden häufig zur Dimensionalitätsreduktion, Bildkompression, Feature-Learning und Anomalieerkennung verwendet. Ein Beispiel ist die Reduktion der Dimensionalität von Bildern für eine effiziente Speicherung. Wir werden Sie im nachfolgenden Kurs “Machinelles Lernen und Künstliche Intelligenz” behandeln.

Generative Modelle

Generative Modelle lernen die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Eingabedaten und können neue Daten generieren. Zu den gängigen Typen gehören Generative Adversarial Networks (GANs), die aus zwei konkurrierenden neuronalen Netzwerken bestehen, und Variational Autoencoders (VAEs), die probabilistische Annahmen über die zugrunde liegende Verteilung der Daten machen. Generative Modelle werden zur Bilderzeugung, Datenaugmentation und Textgenerierung verwendet. Ein Beispiel ist die Erzeugung synthetischer Bilder, die echten Bildern ähneln. Wir werden Sie vertiefend im Kurs “Machinelles Lernen und Künstliche Intelligenz” behandeln.

Vergleich

Die folgende Tabelle vergleicht die unterschiedlichen Modelle noch zusammenfassend.

Merkmal / Modell Typ Ziel Struktur Hauptannahmen Vorteile Nachteile Anwendungsbeispiele
Logistische Regression Überwacht Regression Lineares Modell Lineare Beziehung Einfach zu interpretieren Annahme der linearen Trennung Kreditrisikobewertung
Lineare Regression Überwacht Regression Lineares Modell Lineare Beziehung Einfach zu interpretieren Annahme der Linearität Hauspreisschätzung
Entscheidungsbaum Überwacht Klassifikation / Regression Baumstruktur Keine Einfach zu verstehen Neigt zu Überanpassung Kundenklassifikation
Ensemble Models Überwacht Klassifikation / Regression Kombination aus Modellen Keine Hohe Genauigkeit, Robustheit Rechenintensiv, komplex Spam-Erkennung, Wettervorhersage
Clustering Unüberwacht Gruppierung Cluster (Gruppen) Keine Einfache Implementierung Benötigt geeignete Metriken Kundensegmentierung
PCA Unüberwacht Dimensionalitäts- reduktion Lineare Transformation Lineare Beziehung Reduziert Dimensionalität Kann Interpretierbarkeit verringern Datenvorverarbeitung, Feature-Reduktion
Matrixfaktorisierung Unüberwacht Dimensionalitäts- reduktion Matrizen-operationen Latente Faktoren Effektiv für große Datenmengen Schwierig zu interpretieren Produktempfehlungen
Neuronale Netzwerke Überwacht Vielfältig (Klass., Reg., etc.) Mehrschichtige Netzwerke Keine Kann komplexe Muster lernen Rechenintensiv, erfordert viel Daten Bilderkennung, Sprachverarbeitung
Reinforcement Learning Überwacht Entscheidungen Agent-Umwelt-Interaktion Belohnungs-modell Löst komplexe Aufgaben Lange Trainingszeiten Robotik, Spiele
Markov-Modelle Überwacht / Unüberwacht Zeitabhängige Prozesse Zustandsmodell Markov-Eigenschaft Modelliert zeitliche Abhängigkeiten Benötigt Zustandsdef. Wettervorhersage, Sprachmodellierung
Bayessche Netzwerke Überwacht / Unüberwacht Bedingte Abhängigkeiten Gerichteter Graph Bedingte Unabhängigkeit Modelliert Abhängigkeiten Komplexe Struktur Medizinische Diagnose
Naive Bayes Überwacht Klassifikation Wahrscheinlichkeiten Bedingte Unabhängigkeit Schnell, einfach Annahme der Unabhängigkeit Spam-Filter
Assoziationsregel Unüberwacht Assoziationsregel-Mining Regeln Assoziationen Identifiziert relevante Muster Mögliche Überanpassung Produktkaufmuster
Random Fields Überwacht / Unüberwacht Bildverarbeitung, Vision Graph-/Gitterstruktur Nachbarschaft Kontextabhängigkeiten Rechenintensiv Bildsegmentierung
Autoencoder Unüberwacht Dimensionalitäts- reduktion Kodierungs-/Dekodierungsnetzwerk Effiziente Datenrepräsentation Reduziert Datenkomplexität Kann überanpassen Bildkompression
Generative Modelle Überwacht / Unüberwacht Datengenerierung Verschiedene Verteilungsannahmen Erzeugt realistische Daten Schwierig zu trainieren Synthetische Datenerzeugung

Diese Modelle helfen, mit Unsicherheit, Kausalität oder Zeitabhängigkeit umzugehen. Das sind auch typische Herausforderungen im Baualltag. So bieten sich an:

  • Markov-Modelle (HMM): zur Zustandsüberwachung von Brücken (gesund ↔︎ angerissen ↔︎ beschädigt)
  • Bayessche Netzwerke: Diagnosemodell für Ursachen von Setzungen (z.B. Bodenart, Wasserstand, Belastung)
  • Naive Bayes: Klassifikation von Messpunkten aus zerstörungsfreier Prüfung (kritisch vs. unkritisch)